Possendorfs „Turnvater“ feiert seinen 85. Geburtstag

Am 31. Dezember feiert die ganze Welt Sylvester. Für den ehemaligen Possendorfer und Bannewitzer Bürgermeister Christian Zeibig ist dieses Datum noch aus einem anderen Grund ein ganz besonderes. Er begeht am letzten Tag des Jahres seinen Geburtstag – und dieses Mal war es der 85. Ehrentag!

Christian wurde 1940 in Possendorf geboren. Nachdem er den Beruf des Schriftsetzers erlernt hatte, absolvierte er ein Fernstudium und ging als „frischgebackener“ Diplomsportlehrer an die Schule in Possendorf. Ab 1974 war er hier auch stellvertretender Direktor.

Mit der innerdeutschen politischen Wende wechselte Christian im Juni 1990 sein gesellschaftliches Engagement und wurde zunächst Bürgermeister der Gemeinde Possendorf und nach der Gemeindefusion im Jahr 1999 auch Verwaltungsoberhaupt von Bannewitz. 16 Jahre leitete er die Geschicke der Kommune – ein nicht immer leichtes Unterfangen.

Christian war schon immer ein sogenannter „Macher“. Wenn er etwas anfasste, dann richtig. Mit viel Energie und Engagement forderte er stets viel von sich und anderen. Christians große Leidenschaft war das Turnen. In seiner Heimatgemeinde wurde bereits seit 1864 nach dem Vorbild von Turnvater Friedrich Ludwig Jahn Sport getrieben. Durch den 2. Weltkrieg war aber jegliches Training zum Erliegen gekommen.

Nach dem Kriegsende begann ein zögerlicher Neuaufbau. Christan wurde schließlich 1959 – damals gerade einmal 19 Jahre alt – zum neuen Sektionsleiter gewählt. Unter ihm entwickelte sich das Turnen in Possendorf in den Sechziger und Siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts rasant. Der Verein wurde zu einer bekannten Größe im damaligen Bezirk Dresden. Die Mitgliederzahlen der Sektion stiegen stetig an.

Auf sportlicher Ebene wurde Christian in dieser Zeit ebenfalls zu einem sehr guten Turner. Mit seinen damaligen Sportfreunden, wie etwa Gunther Albrecht oder Gerd Reichel, konnte so mancher Sieg eingefahren werden. Auch die traditionellen Schauturnen auf der Possendorfer Schulparkbühne, die es heute noch gibt, gehen mit auf Christians Konto. Das erste fand Mitte der 1960er Jahre statt. Christian hatte von 1956 bis 1958 sogar beim Bau der Bühne selbst mitgewirkt.

Das Possendorfer Weihnachtspokalturnen wurde ebenfalls von Christian ins Leben gerufen. 1970 gab es hier die Premiere. Die Siegerpokale – Räuchermänner oder Nussknacker – drechselte er damals sogar selbst. Heute zieht der Wettkampf jedes Jahr an den ersten beiden Adventswochenenden zahlreiche Turnerinnen und Turner aus ganz Sachsen und darüber hinaus an.

Mit unendlichem Engagement legte Christian den Grundstein für die späteren Erfolge der Possendorfer Turnerinnen und Turner. Viele Talente formte er zu sehr guten und erfolgreichen Sportlern. Unzählige Bezirksmeistertitel gingen auf sein Konto. Den größten Erfolg sicherte sich sein damaliger Schützling Swen Dittrich. Bei den DDR-Bestenermittlungen holte er 1977 und 1978 jeweils die Goldmedaille am Sprung.

Als Gemeindeoberhaupt hatte Christian schließlich nicht mehr die Zeit, die Abteilung Turnen in der von ihm gewünschten Intensität zu führen. Swen Dittrich wurde deshalb 1990 sein Nachfolger als Abteilungsleiter. In die Turnhalle kam Christian trotzdem noch regelmäßig einmal wöchentlich zum Turnen und Fußball spielen. Auch an einigen Wettkämpfen nahm er in den 1990er Jahren noch teil. Um den Jahrtausendwechsel blieb dann leider kaum noch Zeit für den Sport. Zu sehr beanspruchte ihn die Bürgermeistertätigkeit.

Im Rentenalter kehrte Christian aber wieder in die Halle zurück. Als Trainer unterstütze er seine Nachfolger im Verein nochmals tatkräftig und ging auch selber noch an die Geräte.

Mit der Corona-Pandemie und dem Teilumzug „seiner“ Turnerinnen und Turner nach Bannewitz wurde es allerdings ruhiger um Possendorfs Trunvater. In die Turnhalle kommt er seitdem kaum noch. Dafür wandert er mit seiner Frau regelmäßig und hält das eigene Haus und den Garten drumherum in Schuss. Zu besonderen Anlässen wie Wettkämpfen, Vereinsfesten oder Schauturnen ist er aber noch ein gern gesehener Gast zwischen seinen Turnfreunden.

Eine weitere große Leidenschaft von Christian ist das Drechseln. Viele seiner Turnfreunde und sportlichen Nachfolger haben eine von ihm gefertigte Figur zur Weihnachtszeit oder zu Ostern im Schrank oder im Fenster stehen. Als Weihnachtsfan hat Christian natürlich auch selbst Stollen gebacken. Über 20 Stück „produzierte“ er zeitweise und verkaufte sie mit seiner Familie auf dem Possendorfer Weihnachtsmarkt für einen guten Zweck.

Zum Ehrentag besuchen ihn seine Turnfreunde jedes Jahr. Zum Jubiläum war die Delegation natürlich größer als sonst. Sogar die Poisentaler Blasmusikanten spielten ihm ein Ständchen. Auch Nachbarn, Freunde und ehemalige Weggefährten schauten vorbei und tranken ein Glas Sekt oder einen Glühwein auf den Jubilar. Seine Frau Verena hatte alles „heimlich“ vorbereitet. Mit ihr hat er auch sein privates Glück noch einmal gefunden.

Wir wünschen Christian vor allem Gesundheit und Freude mit seiner Familie. Wir freuen uns schon auf seinen nächsten Besuch in der Turnhalle oder wir sehen uns zu Silvester bei ihm zu Hause. Ohne ihn würden wir heute sicher nicht turnen. Wir sind ihm deshalb sehr dankbar!