Turnfest muss man einfach erlebt haben

Aller vier Jahre treffen sich die Turnerinnen und Turner aus ganz Deutschland zur größten Breitensportveranstaltung der Welt, dem Internationalen Deutschen Turnfest. Zur 35. Turnfest-Auflage in Berlin kamen Anfang Juni über 80.000 Teilnehmer, darunter 3.500 internationale Gäste, wie etwa aus Österreich, Finnland, Kanada, den USA und sogar aus Japan. Auch aus Possendorf hatten sich über 40 Mitglieder der SG Empor auf den Weg in die Hauptstadt gemacht.

Turnfest bedeutet eine Woche gemeinsam turnen, die neuesten sportlichen Trends auf der Turnfestmesse erfahren und erleben, sich bei der Turnfest-Akademie weiterbilden und natürlich an den Abenden auch ordentlich feiern. Einzigartig ist vor allem die Fest-Atmosphäre: es herrscht ein freundschaftliches Miteinander und bei Wettkämpfen wird jeder angefeuert. Die meisten Teilnehmer übernachten in Schulunterkünften ganz einfach mit Luftmatratze und Schlafsack.
Besonders ist auch, dass man einmal ganz nah dran ist an den großen Turnstars, die im Rahmen des Turnfestes immer auch ihre deutschen Meister küren. So gab es Unterschriften von Olympiasieger Fabian Hambüchen oder den neuen Deutschen Mehrkampfmeistern Elisabeth Seitz und dem inzwischen leider verletzten Lukas Dauser zu ergattern.
Eines Morgens saß sogar der mehrmalige Deutsche Meister am Boden und am Sprung Matthias „Matze“ Fahrig vom SV Halle ganz überraschend beim Frühstück neben den Possendorfer Turnern. Er hatte bei einem bekannten Verein in der Schule spontan übernachtet.

Der sportliche Reiz des Turnfestes liegt neben der Tatsache, dass man sich mit Sportlern aus ganz Deutschland misst auch in den riesigen Starterfeldern in den jeweiligen Alters- und Leistungsklassen. Eine ganz starke Leistung lieferte Possendorfs André Pollender ab. Nach einem Wettkampf ohne Fehler wurde er im Pokalwettkampf der 25- bis 29-Jährigen hervorragender Zweiter unter 52 Startern und steigerte sich damit im Vergleich zum letzten Turnfest vor vier Jahren in Mannheim. Hier war er auch schon Dritter geworden.

Swen Dittrich und Ronny Michalsky starteten bei den Deutschen Seniorenmeisterschaften. Swen kam in der Altersklasse 50 bis 54 Jahre auf einen achtbaren neunten Platz unter 24 Turnern. Ein kleiner Fehler am Reck verhinderte zwar eine noch bessere Platzierung, doch aufgrund der sonst sehr guten Leistung und der zahlreichen ehemaligen Leistungssportler im Starterfeld gab es für den Bauingenieur keinen Grund zur Enttäuschung. Ronny Michalsky kam sogar in den Genuss, gemeinsam mit dem Olympiateilnehmer von 2008 und zweifachen WM-Bronzemedaillengewinner Eugen Spiridonov in einem Wettkampf zu starten. Dieser zeigte spektakuläre Übungen mit mehreren Flugteilen an Reck, super Krafthalten an den Ringen und unzählige Schrauben bei seiner Bodenübung. Am Ende erturnte Spiridonov ganze 10 (!) Punkte mehr als der Zweitplatzierte des Wettkampfs. Für Ronny stand nach ordentlichem Wettkampf am Ende Platz zehn unter 26 Startern zu Buche.
Mit einigen Hoffnungen war auch Sascha Gebhardt nach Berlin gereist. Dass es am Ende nicht zu einer durchaus möglichen Medaille reichte, lag wie so oft beim Turnen am verflixten Pauschenpferd, dass dieses Mal einfach nicht zu bezwingen war. In der Endabrechnung wurde es dann trotzdem noch ein ordentlicher 12. Platz (29 Starter).

Einziger Kritikpunkt am Turnfest war die meist unheimlich lange Dauer der Wettkämpfe. So mussten sich die Aktiven z. T. bis zu 6 Stunden warmhalten, bis auch das letzte Gerät geschafft war. So verblieb ein bisschen wenig Zeit, um auch eine der zahlreichen touristischen Attraktionen der Hauptstadt zu besuchen. Hier wird man sich in Zukunft Gedanken machen müssen, wie man den Breitensport sowohl für Aktive als auch für Zuschauer wieder interessanter macht.

Einen schönen Höhepunkt der Turnfest-Woche stellte zweifelsohne noch die Stadiongala im Berliner Olympiastadion mit Auftritten der deutschen Turnstars um Fabian Hambüchen, dem Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel, bunten Shows und Massenübungen sowie einem Auftritt von Panikrocker Udo Lindenberg dar.
Am Ende eines Turnfestes ist die Freude auf das eigene Bett auch aufgrund des akuten Schlafmangels zwar recht groß, aber aufgrund der zahlreichen schönen Erlebnisse lässt sich doch sagen, dass man als Turnerin oder Turner so etwas unbedingt mal erlebt haben muss. Die nächste Gelegenheit dazu gibt es in vier Jahren, dann steigt ganz in der Nähe in Leipzig das nächste, dann 36. Deutsche Turnfest.

Ergebnisse weiblicher Bereich
AK 13 LK 2: 115. Lilly Mischke (140 Teilnehmerinnen), AK 15 LK 2: 61. Meike Schott, 79. Anna Sophie Richter (173) AK 18-24 LK 2: 272. Berit Hering (280)

Ergebnisse männlicher Bereich
AK 14/15 LK 2: 12. Sascha Gebhardt (29 Teilnehmer), AK 16/17 LK 2: 57. Alexander Klingner (86), AK 18-24 LK 2: 59. Henry Schulz, 61. Julien Wehner, 115. Stefan Köhler (142), AK 25-29 LK 2: 2. André Pollender (52), AK 35-39 LK 2: 10. Ronny Michalsky (26), AK 50-54 LK 3: 9. Swen Dittrich (24).

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