Die Geschichte des Turnens in Possendorf

Ein Protokoll vom 6. August 1864 belegt die Gründung des Possendorfer Turnvereins unter der Leitung des damaligen Rittergutsbesitzers Hellmuth von Otto. Im gleichen Jahr wurde auch der erste Turnplatz im Bereich der heutigen Grundschule eingeweiht.
1895 schloss sich der Verein dem damaligen Müglitzturngau an. Im gleichen Jahr kam es zur Gründung eines zweiten Turnvereins im Ort, dem Arbeiter-Turnverein ‚Vorwärts‘ Willmsdorf.

1921 vereinigten sich die beiden Sportvereine zum Turnverein Possendorf. Ein erster Höhepunkt nach dem Zusammenschluss war die Teilnahme zahlreicher Mitglieder am ersten Arbeiter-Turn-und-Sportfest in Leipzig 1922. In diesem Jahr begann man auch den Sportplatz- und Turnhallenbau auf dem Turnerweg. Durch viele Eigenleistungen konnte am 17. Juni 1923 der neue Komplex mit einem großen Fest eingeweiht werden. Auch während der Weltwirtschaftskrise wurde ohne Einschränkungen weiter geturnt. 1933 erfolgte allerdings die Auflösung des Arbeiter-Turn-und-Sportbundes durch die Nationalsozialisten und 1938 kam der gesamte Sport- und Spielbetrieb auch in Possendorf zum Erliegen.

1945 begann man, das sportliche Geschehen im Ort wieder zu beleben. Der neue Name des Vereins war nun SG Possendorf. 1959 wurde der damals 19-jährige Christian Zeibig zum neuen Leiter der Sektion Turnen gewählt. Unter seiner Führung stieg die Mitgliederzahl der Sektion stetig an. Der Name ‚Empor‘ entstand im Jahr 1961 durch den Trägerbetrieb des Vereins, die Konsumgenossenschaft. Zwischen 1962 und ‘69 wurden auf Kreisebene sogenannte Serienwettkämpfe durchgeführt, jede Mannschaft musste gegen jede andere einmal im Jahr antreten.

Das erste Schauturnen fand ebenfalls in dieser Zeit statt und bis heute sollten zahlreiche weitere folgen.
Ab 1970 wurden statt der Serienwettkämpfe die Pokalturnen ins Leben gerufen. In Possendorf führte man in diesem Jahr erstmalig das Weihnachtspokalturnen durch, das auch heute noch an den ersten beiden Dezemberwochenenden Turnerinnen und Turner aus ganz Sachsen anlockt.
In den Siebziger Jahren folgten die ersten Bezirksmeistertitel und der bis dahin größte Erfolg der Vereinsgeschichte gelang 1977 dem damals 13-jährigen Swen Dittrich. Im Sprung-Finale der DDR-Bestenermittlungen gelang ihm überraschend der Sieg und diesen Triumph wiederholte er ein Jahr später sogar. Zahlreiche weitere Titel auf Bezirksebene und Spartakiadesiege in den darauffolgenden Jahren waren Lohn einer kontinuierlichen Trainerarbeit, besonders durch den Sektionsleiter Christian Zeibig.
Zur Einweihung des neuen Schulkomplexes mit Turnhalle auf der Schulstraße kehrten die Possendorfer Jahn-Jünger 1984 wieder an den Ort der Vereinsgründung zurück. Die alte Turnhalle am Turnerweg, bis dahin Domizil der Sektion, steht heute leider nicht mehr, sie musste Wohnhäusern weichen.
1990 holte sich schließlich Gerd Reichel noch einen Sieg bei den DDR-Bestenermittlungen.

Durch die politischen und gesellschaftlichen Veränderungen im Jahr 1989 kamen viele neue Aufgaben auf die Possendorfer Turner zu. Zum ersten gesamtdeutschen Turnfest in Bochum und Dortmund 1990 fuhren über 20 Erwachsene und Jugendliche.
Am 6. August 1990 wurde der Verein beim Amtsgericht Dippoldiswalde als SG Empor Possendorf e.V. registriert. In diesem Jahr wechselte Abteilungsleiter Christian Zeibig sein gesellschaftliches Engagement und wurde Bürgermeister. Sein Nachfolger im Verein wurde Swen Dittrich. Nach anfänglichen Erfolgen im neu gebildeten Sächsischen Turnverband sah man sich in Possendorf aber nach und nach mit Problemen konfrontiert, die eine längere sportliche Talfahrt des Turnvereins hervorrufen sollten. Die Schließung der Possendorfer Mittelschule 1992 und das berufsbedingte Ausscheiden vieler Übungsleiter waren enorme Rückschläge. Ende der 90er Jahre erlebte das Turnen in Possendorf wieder einen Aufschwung. Die Ausbildung junger Übungsleiter und ein neuer Trainer im Männerbereich, Manfred Hock aus Harxheim bei Mainz, sorgten dafür, dass mit großem Einsatz bei Kindern und Erwachsenen trainiert wurde. Beim 30. Deutschen Turnfest in München 1998 erkämpfte sich der inzwischen mehrmalige Sachsenmeister Swen Dittrich den Titel im Bundeswettkampf der Leistungsklasse Männer B7. Eine Ehrung seiner vielen Erfolge und der ehrenamtlichen Tätigkeit im Verein erfuhr Swen, als er 1999 zum Sportler des Jahres im Weißeritzkreis gewählt wurde. 2002 holte Ronny Michalsky beim 31. Deutschen Turnfest in Leipzig den Titel in der gleichen Leistungsklasse erneut nach Possendorf. Auch er wurde anschließend Sportler des Jahres. Erfolgreichster Turner der letzten Jahre ist neben den Swen und Ronny noch André Pollender. Die drei sammelten inzwischen insgesamt über 20 Sachsenmeistertitel. Die Männermannschaft selbst wurde bisher ebenfalls  zweimal Landesmeister (2001 und 2006).

Die Abteilung Turnen der SG Empor Possendorf e.V. hat heute über 300 Mitglieder. Das Domizil des Vereins ist immer noch die Possendorfer  Schulturnhalle. Zahlreiche ausgebildete Übungsleiter trainieren zur Zeit die Turntalente, bei denen nun auch Erfolge erzielt werden. Sascha Gebhardt holte sich 2011 den ersten Sachsenmeistertitel im Kinderbereich in der AK 8/9 und Stefan Köhler gewann 2012 in der AK 12/13 auf Landesebene. Bis heute folgten viel weitere Medaillen. 2018 gewann mit Meike Schott auch endlich wieder eine Possendorferin eine Goldmedaille bei einer Landesmeisterschaft.

Seit 1992 besteht eine besondere Turn-Freundschaft zwischen der SG Empor Possendorf und dem TSV Haiterbach aus dem Schwarzwald in Baden-Württemberg. Der ins Schwabenland ausgewanderte Possendorfer Turner Roland Keil hatte einst gemeinsam mit seinem Opa diese Beziehung geknüpft und so gibt es jährlich, meist um den 3. Oktober, ein Kräftemessen an den Turngeräten. Sehnsüchtig wird das Treffen jedes Jahr herbei gesehnt, bei dem nicht nur der Sport im Mittelpunkt steht. Weitere befreundete Vereine sind der TV Stahl Freital aus Sachsen sowie der TuS Gau-Bischofsheim aus Rheinhessen (Heimatverein von Manfred Hock).

 

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